• Vera Sindaco

Subjektive Beobachtungen

Nach unseren mittlerweile über drei Wochen in dieser vielfältigen Stadt beginne ich heute mit einer kleinen Liste, was hier nach unserer völlig subjektiven Einschätzung „in“ und was „out“ ist. Die wird stetig weitergeführt, immer wenn mir was neues auffällt, was euch einen kleinen Einblick in den ganz normalen Alltag hier gibt.


- Flinders Street Station, nachts -

 

- IN -


UBER POOL - ähnlich wie Uber, kostet aber nur einen Bruchteil dessen, da es ein riesiges Netz aus Usern verbindet, die sich praktisch über die App zu spontanen Fahrgemeinschaften zusammentun. Manchmal muss man ein paar Meter zum Treffpunkt laufen, oder etwas länger warten, aber insgesamt unglaublich praktisch!


UBER EATS - auf voll bepackten Fahrrädern oder Rollern wird in Melbourne Essen von allen erdenklichen Restaurants und Imbissen abgeholt und nach Bestellung über die App direkt zur Haustür geliefert. Ja, auch Frühstück. Siehe unten. Heaven.


OP SHOPS - kurz für „Opportunity Shops“, meist kirchlich geförderte oder betriebene kleine Läden mit großer Auswahl an Second-Hand Kleidung, Haushaltswaren, Krimskrams etc. Man findet dort so gut wie alles!


VINTAGE STORES - nicht zu verwechseln mit Op Shops. Bunte, wahnsinnig gut ausgestattete Second-Hand Läden mit Fokus auf gut erhaltene „Vintage“-Klamotten und Accessoires, die meist ein gutes Stück teurer sind als Op Shops. Ich muss mich regelmäßig zusammenreißen, die nicht mal zu betreten, um nicht in Versuchung zu geraten!


FAHRRADHELME - naja, wobei das wohl eher der allgemeinen, ziemlich strengen Helmpflicht zu verdanken ist. Mauro hat immer noch keinen…Hauptsache, ich sollte sein Fahrrad möglichst schnell organisieren und reparieren lassen.


FAHRRADFAHREN - umweltfreundlich und deshalb sehr beliebt, außerdem ziemlich sicher, sofern man den Trams nicht zu sehr in die Quere kommt. In und zwischen Melbournes gemütlicheren Vororten auf jeden Fall herrlich jetzt im Sommer! Es gibt viele Fahrradwege und Parks, und an den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell.


HALLUZINOGENE SUBSTANZEN - ein bisschen traurig aber wahr, haben wir jetzt schon so einige Abenddiskussionen geführt oder zumindest passiv miterlebt, in denen es um Australiens Drogenangebot, Preisgestaltung und um den Vergleich zu Europas Drogenqualität und -Quantität ging. Wir bleiben dem ganzen aber nach wie vor so fern wie möglich, und geben das Geld aktuell lieber für gutes Essen aus.


EUKALYPTUS - logischerweise, in allen erdenklichen Verwendungsformen.


FRÜHSTÜCK/BRUNCH - ein Traum! Was es hier an Frühstücksangebot gibt, lässt sich kaum knapp in Worte fassen. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Ganz ganz schlecht für meine Figur.


CIDER - gleich der nächste Figurkiller, aber zumindest gibt es auch schön trockene Cider, in vielen Restaurants und Bars sogar wechselnde „Guest-Cider“.


BRUNSWICK - DAS neue Hipsterviertel nördlich von Melbourne CBD, wo der Vokuhila bei Männern und Achselhaare bei Frauen wieder auf dem Vormarsch sind. Die Melbournians finden Brunswick „cool“ und „vibey“ - nicht zuletzt wegen der vielen türkischen und libanesischen Bevölkerung und daraus resultierender günstiger Kebabläden und Brautmodengeschäften. Für uns wirkte es eher wie ein ganz normales, etwas heruntergekommenes Nürnberg Gostenhof. Oder einfach jedes x-beliebige türkisch geprägte Viertel in Deutschland. Hier ist das aber was ganz Besonderes und ultra hip. :D


KAFFEE - und zwar fast ausnahmslos extrem guter. Es gibt Barista-Kurse, unterschiedlichste Techniken, in manchen Cafes sieht es aus wie im Chemielabor… Unser Standard: Almond Flat White/Iced Latte, je nach Außentemperatur.


ESPRESSO MARTINI - damit eng verbunden ist hier der unglaubliche Hype um diesen zugegeben sehr leckeren Drink aus Espresso, Vodka und Kahlua, stilecht mit ordentlich dickflüssigem Schaum vom Shaken obendrauf. Praktischer Nebeneffekt: hält einen auch noch schön wach!


DOGS, DOGS, DOGS - in allen erdenklichen Formen und Rassen, man hat fast das Gefühl, es gibt mehr Hunde als Menschen in dieser Stadt. Vor allem, wenn man gegen Abend in die nahegelegenen Edi-Gardens geht, einen riesigen Park in North Fitzroy, 2 Minuten von unserem Haus.


 

OUT


AMAZON - der Horror für meine liebe Schwiegermama, und ich glaube auch nicht weniger für meinen eigenen Erzeuger: man kennt Amazon zwar, nutzt es aber so gut wie gar nicht. Alles wird noch relativ „oldschool“ in den Läden gekauft oder maximal bei dem entsprechenden Onlineshop bestellt.


MÜLLTRENNUNG - das Einzige, was hier getrennt wird, ist „Recycling“ versus „alles andere“. Was genau hier zu Recycling zählt, habe ich noch nicht ganz durchblickt. Es wirkt ein bisschen gewollt aber nicht durchgezogen: mein Arbeitsplatz, eine Bar im Yarra River, gibt aus Müllvermeidungsgründen keine Strohhalme raus, leert dafür täglich aber so an die 80346 kleine Dosen an Tonic, Sodawasser (!!), Cola, Limo etc. Aber hey, ist ja Recycling!


ALLEINE WOHNEN - Melbourne ist teuer. Nicht so teuer wie Sydney, aber es wird immer schlimmer. Die Bevölkerung hier wächst in letzter Zeit rasant an, und außerhalb des CBD gibt es trotzdem hauptsächlich Wohnhäuser statt Apartments, gerade in den älteren Vierteln. Kaum jemand kann es sich leisten, hier alleine zu wohnen, weshalb die meisten in kleinen Häuschen zu dritt bis elft zusammen leben.


ZAHLEN FÜR WASSER - es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass immer irgendwo kostenloses (Leitung-)Wasser zur Verfügung stehen muss, sobald eine Location Alkohol anbietet. Im Restaurant wird es ständig am Tisch nachgefüllt, und wenn man sich etwas zu beschwipst anstellt, wird es einem vom Barkeeper regelrecht eingeflößt. Stay hydrated!


SCHLECHT ESSEN - okay, natürlich gibt es auch hier einige Ausnahmen i.e. neue, oberflächliche Restaurants die ihrem Hype nicht gerecht werden. Aber im Großen und Ganzen kann man sich wahrscheinlich jahrelang durch die guten Restaurants, Bistros und Cafes essen, und immer wieder neue Entdeckungen machen. Und sei es nur der Burgerladen im CBD, der nach absolutem Hangover-Junkfood aussieht, aber mit die besten Burger überhaupt brät! (Rocket Burger)


SPERRSTUNDE - im Gegensatz zu den meisten anderen großen Städten in Australien (gut, da gibt es nicht allzu viele), und allen voran Sydney, gibt es in Melbourne keine gesetzliche Sperrstunde! Sie hatten es mal für ein paar Wochen eingeführt, es wurde aber nach heftigsten Protesten praktisch sofort wieder eingestellt.


ALKOHOL AM STRAND - das wiederum ist seit letztem Jahr erst Gesetz, wenn ich mich nicht täusche. Vorher war es nämlich besonders unter gerade-mal-so-volljährigen Backpackern so dermaßen „IN“, dass es häufig in Alkohol- und Drogenexzessen an öffentlichen Stränden endete. Das wiederum kostete die Stadt Unmengen an Säuberung, jetzt werden Strände wie St. Kilda halt dafür ab Sonnenuntergang von dutzenden städtischen Patrouillen bewacht. Und die Einheimischen leiden ziemlich unter dem Gesetz…

56 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen